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Während Corona einen Hund adoptieren?

von | Tipps & Tricks

Vor etwa einem Jahr trat plötzlich das Coronavirus in unser Leben und plötzlich wurde bei vielen Menschen der Wunsch nach einem vierbeinigen Gefährten wach. Schließlich waren es die Hundehalter, die weiterhin ihre Spaziergänge machen durften – und auch mussten. Und die plötzlich gewonnen Zeit war für viele Tierfreunde die Gelegenheit, endlich einen neuen Mitbewohner ins Haus zu holen.

Inhaltsverzeichnis
Der richtige Zeitpunkt
Ein Welpe vom Züchter
Ein Hund vom Tierschutz
Die Privatvermittlung
Wenn der Hund da ist
Ein Hund auf Zeit

Covid19, Lockdown und seine Folgen

Während der Ausgangssperre im Frühjahr letzen Jahres schossen die Zahlen der Tiervermittlungen plötzlich in die Höhe und immer mehr Menschen holten sich einen Vierbeiner ins Haus. Das Tierheim Nürnberg vermittelte damals etwa 25% mehr Tiere als vor der Pandemie. Das liegt wohl daran, dass die Menschen (immer noch) mehr Zeit haben. Andere wollen ihre freie Zeit nicht alleine Zuhause verbringen und wünschen sich einen Freund an ihrer Seite. Aber ist so eine Adoption in der Krise eine gute Idee?

Der richtige Zeitpunkt für einen Hund?

Wer jetzt einen Hund adoptieren möchte, sollte sich das ganz genau überlegen: Habe ich auch nach der Krise noch die Zeit, mich um mein neues Familienmitglied zu kümmern? Kann ich den Hund mitnehmen, wenn Reisen in Zukunft wieder erlaubt sind und ich in den Urlaub fahren möchte?

Welche Fragen du dir vor dem Hundekauf stellen solltest, habe ich schon einmal in einem Artikel behandelt. Den Link dazu findest du hier: 10 Fragen vor dem Hundekauf.

Dieselben Fragen gilt es auch bei einer Adoption zu bedenken:

  • Sind alle Familienmitglieder mit der Anschaffung einverstanden?
  • Habe ich auch nach Corona Zeit und Lust, mich täglich 2-3 Stunden mit dem Vierbeiner zu beschäftigen?
  • Welcher Hund passt eigentlich zu mir? (Viele Hundeschulen bieten kostenlose Beratungen dazu an)
  • Bin ich bereit, mich in das Grundwissen rund um das Hundeverhalten einzulesen und mich mit den rassespezifischen Eigenschaften meines Hundes auseinanderzusetzen?
  • Kann ich mir einen Hund überhaupt leisten (Grundausstattung, Futter, Tierarzt, Versicherung…)
  • Kann ich meinem Hund genügend Zeit widmen, für Spaziergänge, zum Spielen und für das Training?
  • Kann ich mir die nächsten 10 Jahre vorstellen, einen Hund an meiner Seite zu haben?
  • Habe ich Geld genug gespart, um im Notfall eine Operation oder teure Tierarzt-Behandlung zu bezahlen?
  • Wer kümmert sich um den Hund wenn ich krank bin?
  • Bin ich allergisch gegen Hunde?
  • Bin ich bereit, mehrmals täglich zu saugen?
  • Hundehaare auf dem Sofa, schmutzige Pfotenabdrücke auf dem Parkett – Wie stehe ich dazu?

Wenn du alle diese Fragen beantwortet hast und immer noch einen Hund bei dir aufnehmen möchtest, dann stellt sich die Frage: Woher kommt mein Hund? Vom Züchter? Tierheim? Aus dem Tierschutz? Oder von einer Privatperson?

Ein Welpe vom Züchter

Wenn du dich für einen Hund vom Züchter entscheidest, dann solltest du dich auf längere Wartezeiten einstellen. Du kannst diese Zeit dafür nützen, einen wirklich seriösen Züchter zu suchen, dem das Wohl seiner Hunde am Herzen liegt und dem es nicht in erster Linie nur um das Geld geht.

Wenn du den Züchter und seine Hunde besuchst, solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Bekommst du Einsicht in die Papiere der Elterntiere?
  • Sind die Eltern gesund? (Befunde für HD, ED, PL und je nach Rasse verschiedene andere Tests)
  • Leben die Hunde im Familienverband? -> Keine Zwingerhaltung
  • Kannst du das Muttertier besichtigen? Wie ist das Verhalten der Mutter?
  • Wirst du über rassespezifische Eigenschaften und Bedürfnisse aufgeklärt?
  • Ist der Züchter auch an dir und deinen Haltungsbedingungen interessiert?
  • Stehen die Tiere, Welpen und Eltern, unter tierärztlicher Betreuung (Impfpass)?
  • In welchem Alter werden die Welpen abgegeben? -> nicht vor der 8.-12. Woche
  • Kümmert sich der Züchter intensiv um die Sozialisierung und Prägung seiner Schützlinge?

Wenn du einen Hund aus dem Tierheim oder von einer Tierschutzorganisation adoptierst, hast du die Qual der Wahl: Erwachsener Hund, Junghund oder Welpe? Abgegebener Rassehund oder Mischling?

Ein Hund aus dem Tierschutz

Wenn du einen Hund von einer Tierschutzorganisation adoptieren möchtest, solltest du vorab prüfen, ob es sich um einen seriöse Verein handelt. Woran du das erkennst, darauf bin ich bereits in folgendem Artikel eingegangen: Seriöser Tierschutz – Es gibt ihn!

Leider gibt es auch im Tierschutz Menschen, denen das Wohl der Tiere nicht am Herzen liegt, sondern die in erster Linie mit den Tieren Geld verdienen möchten (Stichwort: Vermittlungsgebühr!!) Achte deshalb bei den Papieren ganz genau, ob diese in Ordnung und von einem Amtsveterinär gestempelt sind.

Leider gibt es genügend illegale Transporte und Tiere, die ohne Impfung oder krank vermittelt werden. Herzzerreißende Geschichten sollten bei der Vermittlung nicht im Vordergrund stehen, sondern eine seriöse Aufklärung und ein fundiertes Gespräch vor der Adoption. Dasselbe gilt auch bei der Adoption im Tierheim: Achte immer auf eine gute Beratung, um genau den Hund zu finden, der zu dir und deinen Lebensumständen passt!

Dasselbe sollte auch bei Privatvermittlungen gelten, vom Ups-Wurf bis zum „Hobbyzüchter“.

Die Privatvermittlung (Der Ups-Wurf)

Auch wenn du einen Hund von einer Privatperson übernimmst, solltest du vor der Abnahme einige Ansprüche stellen. Auch in diesem Fall sollten die Welpen auf keinen Fall zu früh von der Mutterhündin getrennt werden, denn gerade in den ersten Wochen lernen die Kleinen so viel durch den Kontakt zu Mutter und Geschwister.

Außerdem sollten die Hunde artgerecht gehalten werden. Wenn du hingegen auf Welpen trifft, die alleine – ohne Menschenkontakt – im Stall aufwachsen, solltest du unbedingt die Finger davon lassen. Im schlimmsten Fall leiden diese Hunde ihr Leben lang an einem Deprivationssyndrom mit Angstzuständen, Aggressivität, Zerstörungswut bis zur Unsauberkeit.

Achtung auch, wenn ein Züchter Welpen mehreren Rassen anbietet. Diese Zuchtfabriken sollten nicht unterstützt werden, denn häufig leben die Elterntiere hier in katastrophalen Bedingungen und werden nur als Zuchtmaschine genutzt. Es gibt viel zu viele Würfe in viel zu kurzen Zeiträumen, was für die Mutter eine Qual ist.

Wenn der Hund da ist…

Wer nun seinen Hund gefunden hat, der steht am Beginn einer langen gemeinsamen Reise. Ein Hund kann so viel Freude ins Leben bringen, aber einen auch zum Verzweifeln bringen. Lektüre ist also unablässig, wenn du wegen der Corona-Pandemie keine Hundeschule besuchen kannst.

Außerdem solltest du deinen Hund von Anfang an an seinen Alltag, auch nach der Pandemie, gewöhnen. Wenn du also in einigen Wochen wieder mehrere Stunden am Tag das Haus verlässt und dein Hund nicht mit zur Arbeit kann, solltest du ihn bereits jetzt schrittweise an das Alleinebleiben gewöhnen.

Und eine Bitte zum Schluss: Sei nicht ungeduldig! Es kann manchmal etwas dauern, bis der richtige Hund in dein Leben findet. Warte aber lieber auf einen Hund aus seriöser Quelle, anstatt einen Hund „jetzt auf die Schnelle“ zu kaufen. Denn schließlich soll der Hund viele Jahre Teil deines Lebens sein. Und die gewonnen Wartezeit kannst du sehr gut zu Vorbereitung nutzen, von der Lektüre (siehe unsere Buchtipps) bis zum Einkauf der Grundausstattung.

Ein Hund auf Zeit?

Zum Schluss möchte ich noch auf eines eingehen, nämlich dem Hund auf Zeit. Gerade während der Corona-Pandemie haben sich Familien dafür interessiert, einen Hund auf Zeit, also zur Pflege, bei sich aufzunehmen.

Auf meinem Blog findest du bereits einige Artikel rund um unser Pflegestellen-Dasein und eines sei gesagt: Pflegestellen werden ist einfach, Pflegestelle sein ist schwer. Viele Hunde sind nicht an das Leben in einer Familie gewöhnt und müssen Schritt für Schritt an den Alltag in der Stadt herangeführt werden.

Außerdem solltest du die Möglichkeit haben, den Hund so lange bei dir aufzunehmen, bis er in seine Endstelle umziehen kann. Das kann einige Wochen dauern, aber auch Jahre. Einen Hund nur mal vorübergehend auszuborgen und dann wieder ins Tierheim zurückzugeben, ist keine Option!

Wenn du vorübergehend Kontakt zu Hunden haben möchtest – und diese zum Spazieren ausführen willst, dann schau dir einmal COVID-19 PET RESCUE TEAM in Bozen an. Dort kannst du als freiwilliger Helfer ehrenamtlich Hunde ausführen, deren Besitzer sich in Quarantäne befinden.

Freiwillige werden entsprechend geschult und mit allem Ausgestattet, was notwendig ist, um den eigenen Schutz und den Anderer zu gewährleisten. Wenn du dabei sein willst, dann melde dich unter +39 331 3534437 oder schau auf der Webseite von Homelesspets, facebook oder Instagram vorbei.

Homelesspets Bolzano Volontär werden Hund auf Zeit Südtirol

Titelbild: Matthew Foulds on Unsplash

Über Silvia

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Stresscoach & Hundemama

Naturliebhaberin, 2fache Mädchenmama und auf dem Weg zum Leitmenschen. Ich lese unglaublich gerne – vor allem Hundebücher und freue mich, mein Wissen mit dir zu teilen.

 

Über Nicca

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Abenteurerin

Hi! Ich bin Nicca, 33, Brillenträgerin und tierlieb. Ich bin ein naturlieber Mensch, ziemlich introvertiert (außer es geht um Themen die mich faszinieren: Pferde, Bücher, Hunde) und lese unglaublich gerne. Ich bin gerne Zuhause, aber auch gerne in den Bergen. Vor allem mit Cleo.

 

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