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Sprichst du hündisch? – Die Sprache unserer Hunde

von | Kind & Hund

Sprichst du eigentlich hündisch? Unsere Hunde kommunizieren, anders als wir Menschen, nicht viel mit ihrer Stimme – außer du hast auch einen Spitz Zuhause 😉 sondern zum größten Teil mit ihrer Mimik und ihrer Körpersprache. Wenn wir uns also mit unserem Hund „unterhalten“ möchten, sollten wir ihm über unsere Körpersprache die richtigen Signale senden.

Schon der österreichische Philosoph und Psychoanalytiker Paul Watzlawik wusste „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man auch nicht nicht kommunizieren.“ Und das gilt gerade im Zusammenleben mit unseren Hunden.

Während unsere Hunde also Experten darin sind, uns zu lesen, verstehen wir Menschen unsere vierbeinige Freunde oft nicht und stehen verständnislos daneben, wenn unser Vierbeiner wieder einmal an der Leine pöbelt. Dabei hat unser Hund uns vielleicht schon vor seiner Pöbelattacke mitgeteilt, dass er jetzt nicht an diesem Hund vorbeigehen möchte. Nun wir haben es nicht richtig verstanden – weil wir kein hündisch sprechen.

Wenn wir also unseren Hund besser verstehen möchten, sollten wir ihn beobachten, so wie unsere Hunde es mit uns machen. Sie schauen den ganzen Tag über, was wir machen und studieren jede noch so subtile Feinheit unserer Körpersprache. Und so kannst du auch deinen Vierbeiner besser verstehen lernen, wenn du einige wichtige Kommunikationssignale kennst.

Aus diesem Grund habe ich mir heute überlegt, einmal die wichtigsten Kommunikationssignale unserer Hunde zusammenzufassen. Denn unsere Hunde sind eigentlich ständig im Dialog mit uns und senden uns eine Vielzahl von Signalen. Es gilt nur, genau hinzusehen und „zuzuhören“.

Wie kommunizieren Hunde?

Hunde untereinander kommunizieren nicht nur über Ihre Körpersprache, sondern auch über ihre Rutenhaltung, die Wedelamplitude, Berührungen, einzelne Lautäußerungen und Gerüche. Wir Menschen besitzen aber, anders als unsere Hunde, nicht 250 Millionen Riechzellen. Deshalb müssen wir das Gespräch vor allem über die Körpersprache verstehen.

Aber welche körpersprachlichen Signale senden unsere Hunde?

Beschwichtigungssignale

Die Beschwichtigungssignale der Hunde wurden von Turid Rugaas beobachtet und in ihrem Buch „Calming Signals“* festgehalten. Das Buch kann ich übrigens jedem Hundehalter von Herzen empfehlen ♥ Mit diesen Signalen möchten Hunde Konflikte vermeiden, Spannungen abbauen oder sich selbst – und andere (vor allem uns Menschen) in stressigen Situationen beruhigen.

Hunde drücken mit Beschwichtigungssignalen aus, dass sie nicht an einem Konflikt interessiert sind; als Präventivmaßnahme sozusagen. Leider übersehen wir Menschen diese Signale allzu oft – und das ist auch ein Grund dafür, dass es immer wieder zu Pöbelein und Beißvorfällen kommt.

Unsere Hunde senden nämlich vor einem Konflikt Signale aus, doch wenn wir (aus Unwissenheit) nicht darauf reagieren, kann das zum Problem werden. Aus diesem Grund finde ich es gerade im Zusammenleben von Kind und Hund sehr wichtig, die Beschwichtigungssignale zu kennen. Und die wichtigsten stelle ich dir nun vor:

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Gähnen

Bestimmt hast du das auch schon einmal bei deinem Hund beobachtet, denn Hunde gähnen nicht nur, wenn sie müde sind. Hunde nutzen das Gähnen in anderen Kontexten auch dazu, um ihr Gegenüber zu beschwichtigen oder sich selbst in stressigen Situationen zu beruhigen – so wie hier beim Foto machen.

Unsere Pflegehündin Elly wollte sich in diese Situation mit dem Gähnen beruhigen und mir gleichzeitig mitteilen, dass ihr das Umarmen unangenehm ist (eher bedrohlich und einengend). Solche handfesten Umarmungen mögen Hunde meistens nicht, auch wenn sie uns kennen. Sie genießen es dafür sehr, wenn wir sie zart streicheln, kraulen oder sanft berühren – am Bauch zum Beispiel, oder an der Brust.

Im Bogen gehen

Unter Hunden ist es ein Zeichen von Höflichkeit, wenn man nicht in gerader Linie, sondern in einem Bogen aufeinander zugeht. Es ist also kein Zeichen von Ungehorsam, wenn dein Hund in einem leichten Bogen zu dir gelaufen kommt.

Gerade weil Hunde in einem Bogen aufeinander zugehen, statt direkt, kommt es im unserem Alltag mit unseren Hunden gerne mal zu Pöbeleien an der Leine. Schließlich gehen wir alle mit unseren Hunden ganz gerade, vielleicht auch noch auf einem engen Weg, auf andere Hunde und ihre Halter zu. Damit signalisieren wir eigentlich Angriffstendenzen und benehmen uns aus hündischer Sicht wirklich sehr unhöflich.

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Züngeln und den Blick abwenden

Auch bei diesem Bild bin ich unserer Pflegehündin Diana mit dem Fotoapparat zu Nahe gekommen. Und das hat sie gestresst. Um mich zu beschwichtigen hat sie sich also mit ihrer Zunge über ihre Schnauze geleckt und den Blick abgewendet.

Das Über-den-Fang-lecken wird gehäuft von unsicheren Hunden gezeigt. Meist sind dabei auch noch die Ohren nach hinten weggedreht und der Blick wird abgewendet (siehe Bild). Das soll das Gegenüber besänftigen und demütig wirken.

Diana wollte mir damit sagen, dass ihr diese Situation unangenehm ist. Den Kopf abzuwenden ist eine Geste, mit der sie die Situation entschärfen möchte. Ohnehin gilt direkter Blickkontakt und Anstarren unter Hunden als unhöflich!

Beschwichtigungssignale beim Hund Zusammenleben Kind und Hund

Sich kratzen

Kennst du vielleicht auch diese Situation? Du übst gerade mit deinem Hund ein neues Signal, aber statt die Handlung auszuführen, kratzt sich dein Hund plötzlich. Damit möchte dein Hund dich nicht ärgern und hat auch nicht plötzlich Flöhe. Er zeigt dir vielmehr, dass er gerade überfordert ist. So wie oben auf dem Foto, als sich Denver im Gehege plötzlich gekratzt hat, als ich mich ihm angenähert habe.

Wenn sich dein Hund also im Training plötzlich kratzt, ist er einfach mit der Situation überfordert. Du solltest also wieder einen Trainingsschritt zurück gehen oder eine kleine Pause einlegen.

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Sich klein machen

Auch das sich-klein-machen soll deeskalieren und das Gegenüber beschwichtigen. Auch wenn der Hund sich ganz hinlegt zeigt er uns damit, dass es ihm zu stressig ist. Das kann zum Beispiel urplötzlich mitten in einem Laufspiel mit anderen Hunden passieren. Der Hund der sich hinlegt zeigt damit, dass es ihm jetzt zu viel geworden ist und er eine Pause braucht.

Die genannten sind nur einige der vielen Beschwichtigungssignale, die unsere Hunde kennen. Wenn du dich näher damit beschäftigen möchtest, dann empfehle ich dir das Buch „Calming Signals“*.

Übrigens: Bei allen Signalen ist es wichtig, den gesamten Kontext mit zu beobachten. Denn jedes Signal kann nur im Gesamtbild richtig gedeutet werden. Weitere Informationen mit Bildern findest du auch bei: SimplydogMydoggoeswuff

Die Drohsignale des Hundes

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lange Maulspalte, nach vorne gestellte Ohren, gerunzelter Nasenrücken, nach hinten gerichteter Hund

„Spaß mit Hund“ hat in seinem Beitrag zu den Beschwichtigungssignalen auf etwas sehr wichtigen hingewiesen: Bevor es zu einem Konflikt kommt setzen die meisten Hunde Beschwichtigungssignale ein. Wenn man diese Signale erkennt, kann man eine Eskalation des Konfliktes häufig vermieden werden. Werden die Signale aber nicht beachtet, kommt es meist zu einem Drohverhalten.

© Spaß mit Hund

Unter Hunden gibt es verschiedene Arten der Drohung, das offensive und das defensive Drohen. Auf die beiden Arten möchte ich hier noch kurz eingehen.

Beim offensiven Drohen ist der gesamte Hund nach vorne bzw. oben ausgerichtet. Der Kopf selbst ist angehoben, die Ohren sind aufgestellt, die Augen weit geöffnet und der Blick fixiert. Der Hund zeigt meist auch seine Zähne, knurrt und der Nasenrücken ist gekräuselt.

Der gesamte Körper des Hundes ist dabei meist angespannt und aufrecht. Auch das Fell auf dem Rücken wird häufig aufgestellt, dass ist jedoch nicht bei jedem Hund so einfach zu erkennen. Die Rute ist beim offensiven Drohen aufgestellt und starr. Hier solltest du unbedingt wachsam sein!

Hundesprache verstehen Was sagt mir die Körpersprache meines Hundes
nach vorne gelegte Ohren, runde Maulspalte, gekräuselter Nasenrücken, gebleckte Zähne

Beim defensiven Drohen ist der Hund nach hinten und unten ausgerichtet. Der Kopf ist abgesenkt, die Ohren nach hinten gerichtet und die Mundwinkel sind lang zurückgezogen. Sie Augen sind groß und mandelförmig. Die Beine sind abgeknickt und das Gewicht eher nach hinten verlagert. Die Rude ist abgesenkt oder eingeklemmt (Achtung bei Hunden, die ihre Rute immer über dem Rücken tragen).

Auch hier solltest du aufpassen. Handelt der Hund aus Angst heraus und du näherst dich weiter, während der Hund keine Möglichkeit zum Ausweichen hat, kann er mit Schnappen reagieren!

Oft handelt ein defensiv-drohender Hund aus Angst oder Unsicherheit heraus. Auch bei der Verteidigung einer Ressource kannst du das defensive Drohen beobachten: Der Hund ist eigentlich an keinem Konflikt mit dir interessiert, aber solltest du dich weiter seiner Ressource nähern, wird er nach dir schnappen.

Übrigens: Auch bei Angst ist der Hund nach hinten bzw. unten ausgerichtet und seine Rute ist eingeklemmt. Der Hund duckt sich, hechelt oder zittert. Die Pupillen sind stark erweitert.

Angsthund helfen Deprivationssyndrom Tierschutzhund Körpersprache

Zum Schluss möchte ich noch das eine oder andere Kommunikationssignal besprechen, dass von Hunden häufig gezeigt wird. Vielleicht hast du sie bei deinem Hund im Spiel mit anderen Hunden auch schon beobachten können:

Die T-Stellung

Wenn du auf der Hundewiese schon einmal Hunde beobachtet hast, hast du sie bestimmt schon gesehen: Die T-Stellung. Leider habe ich kein Foto davon, aber schöne Bilder findest du im Beitrag „Was bedeutet die T – Stellung genau?“ von Wissen-hund.

Hunde positionieren sich in einer T-Stellung, d.h. ein Hund stellt sich quer vor einen anderen (sieht von oben aus wie ein T) wenn sie den anderen Hund eingrenzen möchten, seine Bewegung einzuschränken versuchen oder ihn auf Abstand (z.b: zu seinem Menschen) halten möchten. Der Hund, der sich vor den anderen stellt, grenzt ihn ein und zeigt damit, dass er hier das sagen haben möchte (imponieren).

Vorkörper-Tiefstellung

Bei der Vorderkörper-Tiefstellung neigt sich der Hund mit seinen Vorderbeinen zum Boden hin und hat seinen Popo oben. Diese Haltung hast du bestimmt schon einmal beobachtet, z.B. wenn dein Hund dich – oder einen anderen Hund, zum Spielen auffordern möchte. Außerdem kann diese Stellung beschwichtigend verwendet werden.

Häufig zu beobachten ist diese Position allerdings auch bei Hütehunden. Hier ist die Vorderkörpertiefstellung Teil des Hüteverhaltens und natürlich nicht als Spielaufforderung gemeint. Es gilt also auch hier immer die komplette Situation zu bewerten.

Schwanzwedeln zeigt Freude

Das stimmt so nicht! – Denn per se ist das Schwanzwedeln ein Ausdruck von Aufregung und die kann positiv oder negativ sein. Auch hier kommt es auf Kontext und Körperhaltung an. Sieht ein Hund etwa von Weitem seinen Erzfeind, wird er mit seiner schneller Rutenbewegung keine Freude, sondern Anspannung und Stress zeigen.

Pföteln

Das Anheben oder Anwinkeln der Vorderpfote hat viele unterschiedliche Bedeutungen und wird nicht nur von Vorstehhunden gezeigt. Das Pföteln kann ein Zeichen dafür sein, dass dein Hund mit einer Situation gerade überfordert ist, beispiesweise durch zu viel Nähe. Gleichzeitig wird das Pföteln aber auch von Hunden gezeigt, die damit die Aufmerksamkeit auf sich lenken möchten (aufdringlich und herausfordernd). Außerdem wird es auch in Spielsituationen eingesetzt.

Beim Pföteln ist es also umso wichtiger, die Gesamtsituation zu beobachten: Was möchte dir dein Hund jetzt gerade damit sagen?

Hecheln

Hättest du es gewusst? Hecheln ist beim Hund nicht nur ein Zeichen dafür, dass er gerade zu warum hat. Hecheln ist genauso häufig ein Ausdruck von Stress und wird gezeigt, wenn dein Hund sich in einer für ihn unangenehmen Situation befindet. Stress-Hecheln kannst du daran erkennen, dass die Lefzen weit nach hinten gezogen werden und die Zunge steif erscheint. Beim Hecheln, weil deinem Hund heiß ist, sind seine Lefzen und seine Zunge entspannter.

Fazit zur Körpersprache

Ich hoffe, du konntest von diesem Beitrag etwas für dich und deinen Alltag mit deinem Hund mitnehmen. Beobachte deinen Hund einfach mal genau, wann zeigt er welche Verhaltensweise? Du wirst erstaunt sein, wie viel dein Hund mit dir kommuniziert. Rufst du deinen Hund beispielsweise und er kommt im Bogen angelaufen, weißt du jetzt, warum. Wenn er nur sehr langsam und geduckt auf dich zukommt beobachte einmal, was du deinem Hund gerade mit deiner Körpersprache mitteilst? Bist du vielleicht nach vorne gerichtet und groß und drohst im gerade, während er auf dich zugelaufen kommt?

Ist das nicht spannend? Wir kommunizieren ständig mit unserem Hund (wie ich am Anfang des Beitrages schon festgestellt habe: Man kann nicht nicht kommunizieren), aber sind uns nur selten ganz bewusst darüber, was wir unserem vierbeinigen Freund gerade so mitteilen!

Ich hoffe ich konnte dich mit diesem Beitrag dazu inspirieren, einmal mehr auf die Signale deines Vierbeiners zu achten. Viel Spaß dabei!

Über Silvia

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Stresscoach & Hundemama

Naturliebhaberin, 2fache Mädchenmama und auf dem Weg zum Leitmenschen. Ich lese unglaublich gerne – vor allem Hundebücher und freue mich, mein Wissen mit dir zu teilen.

 

Über Nicca

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Abenteurerin

Hi! Ich bin Nicca, 33, Brillenträgerin und tierlieb. Ich bin ein naturlieber Mensch, ziemlich introvertiert (außer es geht um Themen die mich faszinieren: Pferde, Bücher, Hunde) und lese unglaublich gerne. Ich bin gerne Zuhause, aber auch gerne in den Bergen. Vor allem mit Cleo.

 

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